Donnerstag, 16. Mai 2013

The rain in spain...

... does not mainly stay in the plain, wie uns ein Blumenmädchen einst weismachen wollte. Tatsächlich fällt er grösstenteils in den Bergen im Norden. Und doch kann es sein, dass sich ab und zu eine dickere Front über Andalusien breitmacht, nicht vergleichbar mit den süssen Schäfchenwolken, die wir uns schon lange gewohnt sind und die den Himmel am Abend ohnehin noch schöner erscheinen lassen. Nein, ab und zu zeigt sich die Meteorologie von ihrer kreativen Seite. Dann sinken die Temperaturen tagsüber unter 30 Grad (Luxus!), in der Nacht sogar bis auf 12 Grad (für Sevillos ein relativer Nordpol). Die Platzregen sind einigermassen heftig und werden von unangenehmen Winden begleitet. Die spanische Übersetzung des bekannten Liedes weiter oben: "La lluvia in Sevilla es una maravilla" (zu Deutsch: Der Regen in Sevilla ist ein Wunder) bezieht sich wohl mehr auf die Seltenheit der Regenfälle, als dass er in seiner Art wunderbar wäre. Er fühlt sich sogar ziemlich genau gleich an wie sein Schweizer Pendant.
Die Provinz Sevilla hat mit einer ernsten und vor allen Dingen immer ernster werdenden Wasserknappheit zu kämpfen. Die Wasserversorgung wird durch Stauseen bereitgestellt, welche aber immer weniger Wasser tragen - eine Kehrseite des endlosen Sommers in Südspanien. Den Mitteleuropäer mag es zuweilen verwundern, dass Wasser an teilweise absurden Orten Verwendung findet. So passiert es beispielsweise nicht selten, dass man an einem Hotel vorbeiläuft und ein feiner Nieselregen, versprüht von winzigen Düsen über den Köpfen der Passanten, einen etwas abkühlt. So gelegen solche Situationen bei den hiesigen Temperaturen auch kommen mögen, man fragt sich trotzdem, ob diese "Dienstleistungen" tatsächlich nötig sind. Die "Alameda de Hercules", bei Tag ein wunderschöner, lang gezogener Platz, ideal um spazieren zu gehen, seine Kinder austoben zu lassen oder Frisbee und Fussball zu spielen, und in der Nacht eine der besten Ausgehmöglichkeiten Sevillas, diese Alameda hat an mehreren Stellen kleine, düsengespickte Anlagen, die einen sanften Nebel erzeugen und Kindern wie Kindergebliebenen gleichermassen Freude bereiten. Der Wasserverbrauch ist enorm.
Daher sollte Regen hier auch ein bisschen willkommen sein, aber die Sevillos bevorzugen die Saisons, die sie gewohnt sind und für die sie bekannt sind - Sonnenschein, begleitet von einer unheimlich drückenden Hitze. Sie beklagen sich lieber über Schweiss als über Regentropfen.
Das Trinkwasser ist eine Sache für sich. Die geruch- und geschmacklose Flüssigkeit von zuhause hat mit dem hiesigen Wasser nicht viel zu tun. Allerdings schmeckt der zweite Schluck jeweils schon bedeutend weniger nach Chlor.

1 Kommentar: