Samstag, 4. Mai 2013

Musik und Prozessionen

03. Mai 2013

Als ich um etwa 19:00 meine Unterkunft verlasse, begleiten mich Gitarrenklänge durch die engen Gassen. Keine Ahnung, woher sie kommen, aber das spielt auch keine Rolle. Es fühlt sich an, wie im Film - eine ruhige Flamencomelodie, die mich durch die Altstadt Sevillas begleitet. Sie wird nahtlos von einer ganz anderen Art Musik abgelöst - Blasmusik, unterstrichen von intensiven Trommeln. Natürlich suche ich die Quelle dieser Melodien und finde mich sehr schnell vor der berühmten Kathedrale von Sevilla wieder. Ein kleines Blasorchester bewegt sich langsam um die Ecke und spielt eine melancholische Melodie. Vor ihnen erkennt man einen schwarzen Behälter, der von 4 Kerzen umgeben ist, und noch weiter vorne erhebt sich ein Kreuz in die Höhe. Eine Beerdigung?
"Nein", erfahre ich von einer Frau, die das Geschehen fotografiert hat. "Eine Prozession". Gut, das erkenne ich selber auch. Offensichtlich brauchen die Sevillanos keinen bestimmten Grund, um eine Prozession um die Kathedrale zu veranstalten. Es steht jedenfalls kein spezifisches religiöses Fest auf dem Programm.
Vielleicht ist das für die Gottesdienste dieser Kathedrale auch üblich, denn sie ist ein Wahrzeichen der Stadt. Immerhin ist sie die drittgrösste Kirche der Christenheit, nach dem Petersdom in Rom und der St.Paul's in London - und wenn man mal vor diesem Ding steht, glaubt man das aufs Wort. Den Glockenturm - ursprünglich ein Minarett, das im Laufe der Katholisierung umfunktioniert wurde - sieht und hört man von weit her. Die Kathedrale ist ein gewaltiges Bauwerk, das in ihrer nächtlichen Beleuchtung genauso schön anzusehen ist, wie am Tag, wenn sie von der Sonne bestrahlt wird.
Musik ist allgegenwärtig in Sevilla, seien es kulturelle, religiöse, oder ganz profane Klänge, die einem dann entgegentönen, wenn man an den Ufern des Flusses spaziert, welche abends definitiv den Jungen und den Joggern gehören. Aus Autos und Radios hört man die Lieder, die in jedem Club gespielt werden. Man stösst mit Bier und Schnaps an und geniesst den Abend. Dass sich ein Gewitter anbahnt, stört die Spanier nicht im geringsten.
Die rätselhafteste Prozession begegnet mir in einer kleinen Nebengasse in der Altstadt. Etwa 20 Männer und Frauen tragen im Gleichschritt ein käfigartiges Gebilde mit sich, welches auf dem Deckel mit Steinen beschwert ist.  Ein Mann läuft vor ihnen her und gibt den Trägern, die in ihrem Käfig wie Gefangene wirken, Anweisungen. Was diese Aktion genau bezweckt hat, verstehe ich jetzt noch nicht. Aber alles werde ich in diesem Land wohl nie begreifen können.

"Sinnlos, aber schön zu wissen" No.1: Das alkoholische Getränk Gin und die welsche Stadt Genf in der Schweiz tragen den gleichen spanischen Namen: "ginebra".

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