05. Mai 2013
Und dann sind die drei unabhängigen Tage auch schon um. Auschecken, Koffer in die Hand und ab über den Rio Guadalquivir in den Stadtteil Triana, wo ich in den nächsten sechs Wochen wohnen werde. In der Wohnung wird mir schnell klar, dass das Einleben eine kurze Sache wird. "bienvenidos a mi casa, mi casa es tu casa" - Vater Alfredo zeigt mir die Wohnung und überlässt mich dann meinem Zimmer, wo ich die bis zu 250 Jahre alten Möbel mit meinen Utensilien fülle. Mutter Rosa Ana taucht dann gegen 13 Uhr auf - an Sonntagen schlafen die Sevillos gerne etwas länger. Tatsächlich fällt einem ein krasser Unterschied im Vergleich zum Samstag auf, wenn man die Altstadt Sevillas an einem Sonntagmorgen durchquert. Klassische allgemeine Katerstimmung.
Meine Gastfamilie spricht nur Spanisch, was mich zwingt, mich mit sehr viel Kreativität, etwas Lateinkenntnis und vor allem Händen und Füssen zu verständigen. Die beiden jungen Franzosen und die beiden Amerikaner, die etwa so alt sind wie ich, können dann helfen, wenns wirklich nicht mehr geht. Eine sehr internationale Truppe, die da am Mittagstisch sitzt, aber für die Familie ist das normal. Ab nächsten Sonntag beherbergen sie dann einen Italiener.
Meine Gastmutter ist Hausfrau durch und durch, spätestens beim Mittagessen wird das klar. Die vielen sich abwechselnden Gäste machen die Eltern sowieso praktisch zu Hostelbesitzern. Ihre Offenheit, Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft sprechen auf jeden Fall für sich.
Die Siesta verbringen dann alle nach ihrem Gusto - die Eltern und der jüngere Sohn, Alfonso, schauen fern, der ältere Pepe zockt mit den Franzosen Fifa und die Amerikaner erholen sich von ihrem Trip nach Portugal, von dem sie gerade zurückgekommen sind. Gegen Abend verabschieden sich die beiden Söhne, um sich ein Fussballspiel anzuschauen, und als sie wieder zurückkommen, geht's gleich am Fernseher weiter - Barçelona gegen Betis Sevilla. (Für alle, die jetzt reingefallen sind - ein Bekenntnis zu Betis käme einem sozialen Selbstmord gleich. Die zahlreichen Fanartikel des FC Sevilla verhindern da jegliche Missverständnisse.) Der Stellenwert der schönsten Nebensache der Welt ist ohnehin sehr hoch in Spanien, um das festzustellen, reichen ein paar Minuten vor dem Fernseher mit ihnen. Dementsprechend sollte der spanische Stolz in Sachen Sport nicht ausgereizt werden: Einen Hinweis auf das WM-Spiel Schweiz - Spanien im Jahr 2010 quittiert Alfredo, indem er mir fast eine Orange an den Kopf wirft.
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