Mittwoch, 31. Juli 2013

Das Land gegenüber

Warum eigentlich nicht?
Warum nicht noch schnell den Kontinent wechseln, das Wochenende in Marokko verbringen, und noch einmal eine völlig neue Gegend erkunden, wenn sich schon die Gelegenheit bietet? Gerade jetzt, wo sich mein Aufenthalt wirklich dem Ende zuneigt, war mir die Abwechslung herzlich willkommen.
Marokko ist so nah von Spanien, und doch zeigen sich die Unterschiede klar. Ein paar Flaggen an Gebäuden zeugen noch von der Zeit, als einige Gebiete Marokkos in spanischer Hand waren, doch die Kultur ist ganz klar die arabische. Die Marokkaner sind stolz auf ihr Land, ihre Geschichte und ihre Kultur, das merkt man bald. So war es unserem Reiseführer auch wichtig, nicht eine total oberflächlich touristische Exkursion zu halten, sondern uns das authentische Marokko zu zeigen. Und Hauptbestandteil dieses Marokkos sind die Märkte.
Wahrlich wie im Film kommt man sich vor, wenn man in den engen Gassen der Altstädte von Tetuan oder Tanger flaniert. Quasi Kopf an Kopf stehen da die Verkäufer und Händler und preisen ihre Waren an. In Tetuan besuchten wir den Markt mit den Lebensmitteln und Esswaren. Interessanter als das Meiste, das da angeboten wird, ist der Geruch. Jede Nase voll enthält andere Noten, wobei man froh ist, wenn Gemüse oder Gewürze Fisch oder Fäkal ablösen. Nicht unbedingt die Adresse, wo man sich die Zutaten fürs Abendessen einkaufen möchte - die unzähligen Katzen, die in den Strassen herumstreunen, bestätigen diesen Eindruck.
Selbstverständlich verkaufen sich an den Märkten nicht nur  Esswaren, viel wichtiger erscheint die Textilindustrie. Die Vielfalt an Schals, Decken, Kleidern, Röcken und Lappen ist unglaublich. Jeder Händler preist seine Ware als die beste und billigste an (alles hausgemacht, selbstverständlich) und versucht, den Touristen in seinen Laden zu locken. Tatsächlich hat es Produkte, die man zumindest als Geschenk gut gebrauchen könnte. Dennoch ist ein bisschen Vorsicht geboten. In einem Laden, in dem die Webmaschine angeberisch im Raum stand, wies der erste der Schal, den ich betrachtete, das Etikett "made in India" auf. Ich hab dann nichts gekauft.
Vielleicht war es ein Vorteil, dass wir das muslimische Land während des Fastenmonats Ramadan besuchten. Die Leute essen und trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts, und viele erschienen mir, als ob sie Energie sparen wollten. Daher waren die meisten Verkäufer auch nicht allzu aufdringlich, jedenfalls nicht, bis es ans Zahlen ging und das obligate Verhandeln um den Preis losging.
Marokko, ist ein schönes Land - was ich gesehen habe, hat mir sehr gefallen. Vor allem war ich ob den vielen Bergen, Wäldern und Grünflächen überrascht. Die Leute geben sich grosse Mühe, die Städte wenigstens oberflächlich gepflegt aussehen zu lassen, und bei der Durchfahrt würde man von der oft mangelnden Hygiene im Innern der Städte nichts merken. Ausserhalb der Städte kann sich zuweilen ein anderes Bild bieten, wie ich spätestens auf der Reise ins Dorf Chefchaouen feststellen musste. Der kleine Ort liegt inmitten einer schönen Berglandschaft, die mich sehr ans Tessin erinnert hat. Umso befremdlicher empfand ich die Wiese, die fast flächendeckend mit Papier-, Plastik- und Abfallsäcken übersät war. Wie der Müll seinen Weg dahin gefunden hat, bleibt mir ein Rätsel.
Ich habe von dem Land nur drei Städte gesehen, die sich auch noch sehr im Norden befanden und daher wohl mehr europäischen Einfluss erlebt haben, als es weiter südlich der Fall gewesen wäre. Dennoch hat mir mein Besuch eine von der unseren sehr verschiedene Kultur näher gebracht, und nicht zum ersten Mal in den letzten 12 Wochen habe ich mir gedacht: "Hier bin ich nicht das letzte Mal gewesen."

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