Nach dem Verabschieden mache ich mich am Sonntag auf den Weg und verlasse das Haus meiner Familie genau gleich bepackt, wie ich vor 6 Wochen angekommen bin. Ich fühle mich wieder am gleichen Punkt - auf der Schwelle zu etwas Neuem und ohne Ahnung, was da kommt. Und so steige ich, mit dem Versuch, keine Erwartungen zu hegen sondern mich überraschen zu lassen, in den Zug, der mich durch die vielseitige andalusische Landschaft nach Cádiz bringen wird.
Nach etwa 90 Minuten Fahrt taucht das Meer urplötzlich auf, man würde es gar nicht erwarten. Aus einer sanften Kurve heraus erstreckt sich plötzlich das endlos scheinende Wasser vor einem und gibt eine ungefähre Idee, warum Cádiz ein sehr beliebter Ferienort ist - auch unter Andalusiern.
Dann finde ich mich auch schon vor dem Haus meiner zukünftigen Gastfamilie wieder, und schon bald habe ich mein Zimmer bezogen und die Leute kennengelernt. Der andere Student in meiner Wohnung - ein Zuger, so verliere ich mein Schweizerdeutsch sicher nicht - führt mich am Abend durch die Stadt, damit ich einen ersten Eindruck bekomme.
Die kleine Stadt ist eine Halbinsel, auf drei Seiten vom Meer umgeben, und einer der Strände befindet sich direkt vor unserer Haustüre. Natürlich ist das Meer daher eine der wichtigsten "Sehenswürdigkeiten" von Cádiz - obwohl die Einwohner nicht müde werden, zu erwähnen, dass man sich gerade in der ältesten Stadt des Okzidents befindet - anscheinend ist sie über 3000 Jahre alt. Der Sage nach soll sie sogar Herkules selbst gegründet haben - obwohl die andalusischen Städte generell die Tendenz haben, das zu behaupten. Von Sevilla habe ich es auch schon gehört.
Natürlich hat die lange Geschichte Cádiz' Spuren hinterlassen, und auch hier finden sich viele alte Gebäude und Kirchen von verschiedenen Zeitaltern. Allerdings ist es ein relativ kleiner Ort, und man kennt die wichtigen Orte relativ schnell, wie man auch die kulturell wichtigen Plätze schnell kennen wird.
Eine andalusische Stadt gleicht der nächsten - gleich benannte Plätze und Strassen, ähnliche Architektur und die Strassen in den verschiedenen Altstädten sehen sowieso immer gleich aus. Der Vorteil an Cádiz ist, dass du dich immer am Meer orientieren kannst, das du sehr schnell erreichen wirst - egal, in welche Himmelsrichtung du losziehst.
Natürlich sind die Eindrücke von Sevilla noch da, und ein Wechsel wie dieser braucht seine Angewöhnungszeit. Aber spätestens am zweiten Tag, wenn man am Strand liegt, die Sonne und den abkühlenden Wind (der in Sevilla fehlt) geniesst und ein erstes Bad im Meer nimmt, beginnt man zu realisieren, dass es sich hier ebenso gut leben lässt.
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